BESSER REISEN.

Wohin?

ANREISE    Zurücksetzen

Abreise

Zimmer

Ravi DeRossi's neue Art des Protests

DeRossiIm April 2017 eröffnete eine Bar mit dem Namen Coup zum großen Erstaunen der Bewohner des New Yorker Stadtteils East Village. Bars machen quasi jede Woche auf aber die Besonderheit bei Coup und der Grund für diese Story ist der Zweck der Bar: alle Gewinne gehen an Organisationen, die bedroht werden oder ihre Gelder durch den derzeitigen Präsidenten verlieren. Coup ist eine Protestbar und der Protest richtet sich gegen Donald Trump.

Die Kraft hinter dieser Bewegung ist der Restaurateur Ravi DeRossi und er brilliert in einer Rolle, die wie für ihn gemacht ist – DeRossi wurde einst von der New York Times als “die Antithese” zu “the Donald Trump empire builder” bezeichnet. Seit über zehn Jahren hat DeRossi die Essens- und Getränkeszene in New York mit seinen sich vermehrenden, thematischen Etablissements geprägt und findet sich mittlerweile inmitten von Politik, sozialen Themen und Tierrechten wieder.

Wir haben uns im Mother of Pearl, seinem veganen Polynesischen Restaurant, mit ihm getroffen, um herauszufinden, wie sich sein Leben seit der Eröffnung von Coup verändert hat.

Coup

Ravi DeRossi (rechts) mit seinen Partnern Sother Teague und Max Green in der Coup Bar

Lass uns über Coup reden. Wie waren die Reaktionen bislang?

Einfach unglaublich, bislang war es sehr positive. Eigentlich jede Nacht gab es Schlangen vor der Tür. Alle waren so anerkennend in Bezug auf das, was wir hier machen und jeder liebt es, hier zu sein. Wir haben Gast-Barkeeper, die von überall auf der Welt eingeflogen kommen – und zwar auf eigene Kosten – nur um eine Nacht die Bar zu schmeißen. Und dann sagen sie „Nein, ich will nicht bezahlt werden, lass mich meine Einnahmen spenden.“

Die einzig negativen Erfahrungen waren einige Online-Kommentare wie z.Bsp. schlechte Bewertungen auf Yelp, aber die kommen hauptsächlich von Leuten, die noch nie hier waren. Sie lesen über uns und nennen und „die Snowflake Bar“. Tatsächlich hab ich sogar gedacht, dass es viel schlimmer wird. Soweit ich weiß, kam noch niemand bei uns rein und hat Ärger gemacht oder etwas negatives gesagt.

Wie kam es zu der Idee?

Die Räume waren ehemals ein Restaurant für Meeresfrüchte, das Bergen Hill hieß. Es lief richtig super bis ich eines Tages die Entscheidung traf, mich von Fleisch, Milchprodukten und Meeresfrüchten komplett zu verabschieden. Ich hab endlich gesagt: “Fuck it, I’m out, I can’t do this anymore.” Ich hab das Restaurant geschlossen. Dann hat Sother Teague, der meine Bar Amor y Amargo, führt, eine Bar in Houston erwähnt, die Okra heißt und eine apolitische, gemeinnützige Bar ist, die all ihren Gewinn an lokale Organisationen spendet. Und da ich schon die Räume hatte, haben wir ein Vermögen ausgegeben, um alles schön zu machen und eine Ausschank-Lizenz zu bekommen. Ich wollte thematisieren, wie ich ganz persönlich von dieser Administration betroffen bin. Es kam einfach alles wunderbar zusammen.

Kannst du dein Geschäftsmodell erklären?

Wir nennen es eine Pop-Up-Bar. Wir sind ein Unternehmen, das Gewinne generiert, diese dann aber spendet. Ich will, dass alles Geld an Organisationen geht, die ihre Finanzierung durch die aktuelle Administration verloren haben. Wir wollen zumindest so lang im Geschäft bleiben wie die an der Macht sind. Das erste Mal in meinem Leben bin ich politisch motiviert. Ich verdiene hier keinen Cent. Ich fühle, dass es mehr gibt, dass ich machen kann. Ich überlege sogar, ob ich nicht vielleicht (vielleicht!) für ein öffentliches Amt kandidiere. Meine Geschichte ist allerdings ziemlich übel; früher oder später könnte also irgendwas Schlechtes zum Vorschein kommen. Ich habe mein verkommenes Leben 40 Jahre gelebt.

Wie würdest du reagieren, wenn Trump Interesse hätte, in einen deiner Läden zu kommen?

Es würde mich nicht sonderlich stören. Ich würde mich nicht darum kümmern. Wir würden ihn mit genauso viel Respekt behandeln, wie jeden anderen auch. Ich würde also nichts anderes denken als, „ok, Trump ist hier. Behandle ihn gut und behandle ihn mit Respekt und gib ihm guten Service.“ Es wäre dumm, sich kindisch zu verhalten und wie ein Idiot aufzuführen und ihn wie Dreck zu behandeln. Es wäre gegen alles, was wir wollen – was ich will.

Death & Co

Death & Co

Das East Village hat sich zuletzt stark verändert und nicht jeder ist ein Fan davon. Wie nimmst du diese Richtungsänderung auf?

Ich lebe hier seit gut 20 Jahren. Als ich hergezogen bin, war es sicherlich keine bevorzugte Gegend, um essen zu gehen oder irgendwas zu tun, abgesehen von Drogen zu konsumieren und sich abzuschießen, vielleicht noch ’ne Show anzusehen. Guck’s dir jetzt an: beeindruckende Restaurants, die mit Michelin-Sternen ausgezeichnet sind und großartige Cocktail-Bars. Ich glaube, dass die Veränderungen zum Besten sind, weil es hier vormals nur schlechtes Essen und schlechte Bars gab, die Schlangen vor der Tür hatten, in denen sich die Leute geprügelt haben. Ich will nicht lügen: wenn ich am Freitagabend gegen 21 Uhr aus meinem Haus in der 7th Street komme, herrscht Massenchaos. Das kann irritierend sein. Deswegen verstehe ich auch, wenn sich Leute beschweren. Aber das ist eigentlich gar keine Änderung – nur die Qualität der Personen hat sich verändert.

Was antwortest du Leuten, die dich einen Gentrifizierer nennen, als Teil des Problems bezeichnen?

Das sind Leute, dich mich noch nie getroffen haben – die nehmen einfach nur an, dass ich das East Village ruiniere. Die erste Bar habe ich vor ungefähr 12 Jahren eröffnet und jetzt habe ich 15 Lokale. Deswegen habe ich einen schlechten Ruf. Ja, natürlich bringen die Lokale Leute von außerhalb des East Villages hier her, das kotzt einige der Einheimischen ziemlich an. Aber auf der anderen Seite beschäftige ich über 200 Leute und wahrscheinlich wohnt die Hälfte davon hier im East Village.

Ich sympathisiere, bis zu einem gewissen Grad, mit den Leuten, die sagen: “Fuck Ravi. Fuck his places.” Die Mieten sind durch die Decke gegangen und ja, man findet hier keine günstige Wohnung mehr, wie noch vor 20 Jahren. Wir verlieren die jüngeren Leute, die es sich nicht mehr leisten können, hier zu leben. Aber ich habe immer noch das Gefühl, dass die positiven Dinge, die wir für die Nachbarschaft tun, die negativen überwiegen. Und wir hatten in zehn Jahren keine einzige Beschwerde wegen Ruhestörung.

Mother of Pearl

Mother of Pearl

Es ist bekannt, dass du all dein Restaurant auf vegane Küche umstellst.

Mein Leben hat in dem Moment begonnen, in dem ich mich entschlossen habe, meine Restaurants auf vegane Kost umzustellen. Dahinter steckt ein höheres Ziel. Avant Garden hat von all meinen Restaurants das beste Essen — wahrscheinlich ist es das beste vegane Essen, dass ich jemals in meinem Leben gegessen habe und ich habe schon in fast jedem großartigen veganen Restaurant in der Welt gegessen – und fast jede Nacht steht irgendjemand auf und beginnt zu applaudieren. Als Mother of Pearl eröffnete, haben wir ropa vieja und Thunfisch serviert. Dann haben wir alles über Bord geworfen und etwas neues mit dem gleichen Konzept wieder eingeführt – hawaianisch/polynesisches Essen und Cocktails und alles basiert zu hundert Prozent auf Pflanzen. Ich hatte mir vorab schon Sorgen gemacht, aber die Verkäufe haben sich verdoppelt. Jetzt haben wir jeden Abend einen ganzen Schwung an Gästen. Elf von meinen 15 Restaurants wurden schon umgewandelt und kochen jetzt zu hundert Prozent pflanzenbasiert..

Gab es Rückschläge oder Widerstände gegen die Idee eines veganen Nachtlebens?

Ein Teil meiner Mission ist es die Reputation zu verändern. Noch vor einigen Jahren war veganes Essen überhaupt nicht angesagt. Es war fade und langweilig und du warst unerträglich, wenn du das unterstützt hast. Es ist inzwischen aber keine Nische mehr einen gewissen Prozentsatz deines Gewinns zu spenden oder nur pflanzenbasierte Speisen zu servieren. Man kann eigentlich zu jedem Restaurant in der Stadt gehen, sogar zu den besten der Welt, und fragen: “Könnt ihr mir was verganes machen?”. Sie werden es alle tun. Aber noch niemand hat sich beschwert und niemand hat aufgegeben. Das Geschäft läuft besser, weswegen es wirklich keinen Grund gibt, sich zu beschweren, weißt du was ich meine? Ich wache auf – ich übertreibe nicht – und sehe, dass ich jeden Morgen ungefähr tausend E-Mails habe. Leute von überall auf der Welt, die sagen: “Ich habe über dich gelesen, was du machst, dass du all deine Restaurants vegan auflegst.” Das ist ein überwältigender Angriff an Positivität.

Avant Garden

Avant Garden

Wie wurdest du inspiriert vegan zu werden?

Es gibt drei Hauptgründe für Menschen, um vegan zu werden oder vegane Geschäfte zu unterstützen: Tierrechte, persönliche Gesundheit und die Umwelt. Massentierhaltung, Herzkrankheiten und globale Erwärmung hängen alle miteinander zusammen. Wir machen uns selbst und den Planeten kaputt. Leute sind sich mittlerweile viel bewusster, dass eine pflanzenbasierte Ernährung oder die Unterstützung solcher Geschäfte eine gute Sache ist. Sogar dann, wenn man wie ich, den Geschmack von Fleisch liebt.

Betrachtest du deine Kunden als aktive Teilnehmer in dieser Mission?

Ich gebe Leuten, die nicht wissen, wie sie helfen können, einen Weg das zu tun und ich mache es “cool”. Ich halte mich selbst nicht für “cool”, aber ich bin Besitzer eines coolen Geschäfts. Hoffentlich wird es sich mit der Zeit von “irgendwohin gehen, weil es cool ist” verändern zu “cool sein, weil man es besser macht”. Und das passiert schon. Wir bewirten die Millenials, weil die es sind, die unsere Zukunft ändern. Bewusste Geschäfte werden gerade das neue Ding. Ich bin nicht der einzige, der das macht. Es gibt davon hundert und tausende überall im Land.

Welches Vermächtnis möchtest du in der Restaurant-Industrie hinterlassen?

Vor einigen Monaten hat mich ein großes Verlagshaus angerufen. Die wollten, dass ich meine Memoiren schreibe. Ich sagte, dass ich dafür keine Zeit habe und die antworteten: “Nein, nein, wir bezahlen einen Ghost-Writer. Und dir zahlen wir vorab schon §100.000.” Ich dachte einige Tage darüber nach, aber ich bin einfach noch nicht so weit. Bislang habe ich noch nichts gemacht, dass es wert wäre, gelesen zu werden. Ich habe ein Zeichen in der kulinarischen Szene in diesem Land gesetzt. Vielleicht sogar in der Welt, aber ich würde dieses Buch nicht lesen. Vielleicht würden andere Leute das tun, weiß ich nicht, aber es kümmert mich auch nicht. Ich hab gesagt: “Nein. Rufen Sie mich in zehn Jahren nochmal an und dann reden wir.”

Sollte es so etwas wie ein Vermächtnis geben, das ich hinterlasse, wird es nicht sein :“Oh, ihm gehören einige wirklich coole Bars und Restaurants”. Es wird sein: “Er hat einige wirklich coole, Bars und Restaurants mit Bewusstsein eröffnet”. Und das könnte sich in etwas größeres verwandeln, wer weiß? Es sind nicht die Bars und Restaurants an sich, die mein Vermächtnis sein werden. Es wird etwas viel großartigeres sein als da

More stories:

 

Tablet Hotels on Facebook Tablet Hotels on Instagram Tablet Hotels on Pinterest Tablet Hotels on Facebook
Top

Français  /  日本語  /  Italiano  /  Deutsch

Copyright © Tablet Inc 2017. Alle Rechte vorbehalten.